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Friedemann Graef born in 1949, guitarist in Rock groups, studied saxophone, flute and composition with Earle Brown a.o., diploma in chemical engeniering, Since 1975 active in the field of improvised music with own groups, toured Germany, France, Sweden, Hungary, Italy, USA, India, Brazil; besides appearances on radio and TV he released over 20 CDs with John Tchicai, Ray Anderson, Harry Beckett, Heiner Goebbels, Michael Sell, Albrecht Riermeier, Kamalesh Maitra. After 1980 Friedemann Graef was a member of an ensemble for anciant music on old instruments. The roots of European music has always been his interest. As a composer he wrote music for symphonic orchestra, choir, Jazz bands, organ and chamber music and electronic. Sacred music has a big part in it. Mr Graef recieved awards as a composer as well as an interpreter. "I try to play composed music in such a way as if it came to my mind just that moment" (Graef)

News

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Produziert vom RBB, erschienen bei CPO: 
das BERLINER SAXOPHON QUARTETT spielt

Alte Musik des 16. Jahrhunderts auf neuen Instrumenten

Ein CD Release-Konzert am Freitag, den 19. August 2011 in der Zionskirche, Berlin-Mitte um 19:30 Uhr. 
Ausschnitte aus der CD werden gesendet im RBB Kulturradio (92.4) 
am Montag, den 15.8. ab 18 Uhr in der Sendung "Alte Musik". 

Im 16. Jahrhundert sind viele Kompositionen noch keinen bestimmten Instrumenten zugeordnet. Man benutzte, was  vorhanden war. Stücke konnten mit Flöten ebenso gut gespielt werden wie mit Lauten oder Gamben. Vieles blieb der Fantasie der Ausführenden überlassen, auch Tempi und Lautstärken. 

Um 1845 wurden die Saxophone erfunden. Mit ihrer vielfarbigen Klanglichkeit eröffnen sie der alten Musik ein neues unverbrauchtes Hörerlebnis im Bereich der klassischen Musik. 

Als Saxophonist ist man in erster Linie Solist. Man greift zu diesem Instrument, um Melodielinien ausdrucksvoll zu gestalten. Polyphone Musik, bei der alle Stimmen gleichberechtigt sind, ist also das ideale Musizierfeld für Saxophonisten. Die imitierenden Motive in Fugen und Ricercare werden für den Hörer besonders deutlich und nachvollziehbar, da sie von den Saxophonen solistisch artikuliert werden und damit gut wiedererkennbar sind. Die thematischen Figuren werden quasi aus dem Kontext "herausgeschnitzt". Es entsteht ein akustisches Relief. Es macht Spaß, sich diese Motive gegenseitig zuzuwerfen wie einen Ball. Solche nonverbale Kommunikation ist für den Hörer faszinierend, ein Sinnbild unseres Zusammenlebens, ohne Worte durch Instrumente dargestellt.  

Eine Gesanglichkeit wie in den Canzonen und Tänzen steht den Saxophonen ohnehin gut zu Gesicht, ebenso wie der kompakte Chorklang, der bisweilen wie eine Orgel wirkt. 

weitere Details: 

Die Musik dieser CD beginnt mit zwei polyphonen Werken von Giovanni Pierluigi Palestrina (1525-1594), Komponist der päpstlichen Kapelle in Rom. CD Titel 1 und 2. Die Motive sind hier elegant, immer noch ausgehend von einer textorientierten Rhetorik, jedoch schon glatter als 100 Jahre zuvor wie z.B. bei Isaak. Ebenso wie Orlando di Lasso - die beiden kannten sich - war auch Palestrina der Meinung, dass die Gestaltung der Melodien einen Ausdruck ereichen kann, der über die Bedeutung eines gesungenen Textes hinausgeht. Lasso und Palestrina komponierten Vokalmusik in diversen Sprachen, konnten also von Worten und Textinhalten abstrahieren. Der instrumentale Klang mit seiner Möglichkeit zur Transzendenz, zum Übermenschlichen erlangte hohe Wertschätzung.  

Heinrich Isaak (1460-1517) war wie auch Lasso ein polyglotter Meister, geboren in Flandern, tätig in Italien bei den Medici und später in Deutschland. Eine gewisse Herbheit in seiner Polyphonie ist ihm genauso eigen wie eine schmelzende Melodik seiner Lieder. CD Titel 3-5. 

Tilman Susato (gest. 1561) lebte in Köln und Antwerpen. Als Sammler und Herausgeber von Liedern, Kunstmusik und Tänzen war er berühmt und betrieb eine erfolgreiche Musikalienhandlung. In den großen Mengen seiner Notendrucke ist nicht immer klar, ob er die Musik selbst komponiert hat oder ob es Fundstücke waren, die er dann in seinen Sammlungen veröffentlichte. CD Titel 6 und 7. 

Das militärisch anmutende "Canzon Cornetto" von Samuel Scheidt (1587-1654) ist beinahe ein akustisches "Schlachtengemälde". Die heftig repetierenden Noten stellen das Kanonendonnern dar. Ein damals beliebter Effekt. Scheidt lebte als Organist in Halle an der Saale. CD Titel 8. 

Girolamo Frescobaldi (1583-1643) war ein begnadeter Improvisator auf den Tasten. Er war nicht nur Organist an der Peterskirche in Rom, sondern wirkte auch in Florenz, Brüssel und Wien. Die fein gegliederte Instrumentalmusik war sein Spezialgebiet, das er epochemachend erneuerte. An seinen hier ausgewählten Werken faszinieren kunstvolle Verschlingungen und Experimente mit gestreckten und gestauchten Themen. CD Titel 9-11. 
Diese konstruktivistischen Verfahren wurden von Johann Sebastian Bach aufgegriffen. In Bachs Spätwerk "Kunst der Fuge" kommt das besonders zum Ausdruck. Eine Einspielung der "Kunst der Fuge" mit dem BERLINER SAXOPHON QUARTETT liegt vor 
(CPO 999 058-2). 

Orlando di Lasso (1532-1594) - gebürtig in Belgien -  lebte in Sizilien, Neapel, Mailand, Rom. Später arbeitete er für den König von Frankreich und am Hof in München. Er schrieb über 2000 Kompositionen und ist der Meister der Stimmungsbilder. In den hier vorliegenden Liedsätzen schildert er bildhaft die Liebe und das Elend der Landsknechte. CD Titel 12 und 13. 

Giovanni Gabrieli (1557-1613) - Schüler von Lasso. Mit venezianischer Eleganz setzt er Höhepunkte aufbauend auf der bisherigen Entwicklung. Seine Werke bestehen aus verschiedenen Teilen mit eigenen Atmosphären. Diese Teile kombiniert er wie ein Mosaik. CD Titel 14 und 15. 

In das Gebiet der Stimmungsbilder gehören auch die englischen Klagegesänge "Lacrima Pavan" und "Flow my tears"  von John Dowland (1562-1626). John Dowland ist einer der bedeutendsten englischen Komponisten. Als Lautenist war er berühmt für seinen delikaten Stil. Titel 16 und 17. 

Cancioneres - spanische Musik, entstanden um 1500. Die Bibliothek von Upsala in Schweden beherbergt die einizgen erhaltenen Notenblätter. Es waren ursprünglich vertonte Gedichte, später durch virtuose instrumentale Solistik angereichert. Viele dieser Stücke sind temperamentvoll und mitreißend. Daher wurden sie von kirchlicher Seite mit Argwohn betrachtet. Zur Versöhnung bekamen die Melodien dann weihnachtliche Texte unterlegt. 
CD Titel 18-23. 

Sammlung Sankt Gallen - auf der Durchreise von oder nach Italien machte ein Musiker im dortigen Kloster Station und bezahlte seine Übernachtungsrechnung mit einem Notenbuch, aus dem hier drei Beispiele stehen. 
CD Titel 24-26. In allen diesen drei Werken liefern alte französische Chansons (der Troubadours?) das Anfangsmotiv, aus dem das melodische Gefüge entwickelt wird. Josquin des Prés (1440-1521) ist hier mit einem Satz vertreten, der auf einem damals bekannten Motiv aufbaut, einer Liebesklage. 
Der Charakter dieser drei Musiken trägt noch spätmittelalterliche Züge. Möglicherweise waren etliche Lieder von fahrenden Sängern so bekannt und beliebt, dass sie von vielen Komponisten verwendet wurden, um daraus Kunstmusik zu formen. War der verlorene Freund (amy perdu) ein gefallener Soldat, so stellen die repetierenden Akkorde das Feuer der Musketen dar. Akustische Schlachtenbilder, sogenannte Batallien, waren bekannt und nicht selten. 

Text: Friedemann Graef